Das Schlüsselerlebnis war, das New Orleans Ragtime Orchestra 1974 auf seiner ersten Europatournee zu hören. Unsere Vorstellungen über Ragtime prägten bisher Piano-Rollen für mechanische Klaviere, auf Schallplatten überspielt. Die Eleganz der Ragtime-Synkopen gepaart mit der Vitalität einer New Orleans Band war für unsere Ohren etwas total Neues. Umso verblüffender, daß die Noten größtenteils aus der Blütezeit des Ragtime um 1900 stammten. Unter der Leitung von Klaus Pehl fand sich 1975 mit der
RSF sozusagen die erste europäische "Tochtergesellschaft"
zusammen.
Das Arbeitsmaterial waren zunächst historische Bandarrangements der klassischen Original-Kompositionen der Ragtime-Größen Scott Joplin, James Scott und Joseph Lamb, die mit Hilfe des New Orleans Ragtime Orchestra, des Jazz Archivs der Tulane University, New Orleans, oder von Sammlern beschafft werden konnte. Bald gehörten auch Songs und Märsche aus der Ragtime-Ära zum Repertoire. Eine besonderen Impuls gaben Kompositionen von Eubie Blake, den wir Ende der 70er Jahre als letzten aktiven Zeitzeugen 94jährig auf Festivals hörten. Vor allem Songs aus seiner Show Shuffle Along von 1921 wurden verarbeitet. Eigene Arrangements von Ragtime-Exoten und Songs-Hits aus der Zeit zwischen Ragtime und frühem Jazz runden heute das Programm ab. Seit 1995 präsentiert die
RSF zusammen mit Lilos Puppenbühne Szenen und Motive aus Scott Joplins Oper Treemonisha.Hier gibt es verschiedene Pressetexte unterschiedlicher Länge:
Die Verwandschaft zum New Orleans Jazz hat der
RSF die Türen zur Jazzszene geöffnet. Nach über 20 Jahren gelingt es uns immer noch, ein Publikum mit den eleganten Melodien und den ansprechenden Rhythmen des Ragtime einzufangen. Die zur Jahrhundertwende in den Zentren Nordamerikas links und rechts des Mississippi populäre Musik ist beste Salonmusik und läßt den aufkommenden Jazz bereits erahnen. Daß es eine fröhliche Musik ist, überträgt sich auf das Publikum, abgesehen davon, daß man es uns beim Spielen ansieht. Zu den Stationen der Band gehören Auftritte in Clubs, auf Kleinkunstbühnen, in Konzertsälen, auf Festivals in ganz Europa. Besondere Ereignisse waren über die Jahre die in Frankfurt selbstveranstalteten Konzerte, in den 80er Jahren oft zusammen mit dem unvergessenen Pianisten Dick Wellstood, und besonders die Premiere unseres Treemonisha-Projekts 1995.
Dick Wellstood (Piano), Frankfurt am Main 1980
Die RSF spielt in der typischen Besetzung eines New Orleans Salon-Orchesters der Ragtime-Ära: Zu der klassischen New Orleans Besetzung (Kornett, Posaune, Klarinette, Piano, Bass und Schlagzeug) kommen die für die Farbe des Orchesters wichtigen Streicher (1. Geige, 2. Geige, Cello) hinzu. Das ist - bis auf eine Quer- oder Piccoloflöte - auch die Instrumentierung, die die legendäre Sammlung von Orchestrierungen berühmter Rags The Red Back Book aus dem Jahr 1911 vorsieht.
aktuell spielen:
Nach 30 Jahren spielen in der RSF mit Harald Blöcher (tb), Klaus Pehl (cl, Leitung) und Jürgen Seeger (vl) 2006 immerhin noch drei Musiker, mit denen die RSF im Oktober 1976 ihre öffentlichen Auftritte begann. Die Liste der früheren ständigen Mitglieder und der zeitweiligen Gäste der RSF ist lang und umfasst Eckpfeiler der Musikszene (nicht nur) des Rhein-Main-Raums, insbesondere ihres dem N.O. Jazz verpflichteten Teils. Wir präsentieren sie hier, weil wir damit den aktiven Musikerkollegen für ihre Mitwirkung danken und die inzwischen verstorbenen Musiker ehren wollen. Nicht in allen Fällen werden wir Bilder finden und sollten wir jemand übersehen oder falsche Angaben gemacht haben, bedauern wir es und bitten uns darauf hinzuweisen (E-Mail-Feedback).
Die Liste der "Ehemaligen" ist nach Instrumenten - wie in der Partitur von Gesang über Holzbläser bis zum Schlagzeug - und chronologisch nach Beginn ihrer Mitwirkung RSF angeordnet. Auch hier bitten wir um Hinweise, wenn unsere Erinnerung nicht zutrifft.
Klassiche Rags, Cakewalks, Songs & Marches, Auszüge aus Musikshows, Auszüge aus "Treemonisha", Piano Rags
Die Musik der
RSF ist aufdokumentiert.
Frankfurt am Main, 21.01.10